Der See Tana und die
Quellen
des „Blauen Nils“
Der See Tana, der größte in Äthiopien, liegt südlich von der Stadt Bahir
Dar, der Hauptstadt des Amhara-Gebietes. Gerade
dort hat der Blaue Nil seinen Ursprung. Dort macht er sich bereit
für seine lange Reise durch die äthiopischen Gebirge und Wüsten
des Sudans bis nach Chartum, dann fließt er an den Tempeln von Luxor und
dem Tal der Könige vorbei, um über Kairo das Mittelmeer zu erreichen.
Der Blaue Nil bringt die größte Wassermenge mit sich, die den Ägyptern
die Überlebensmöglichkeit sichert.
Um den See Tana herum und auf seinen Inseln haben die Äthiopier vor den
Augen der Eindringlinge Dutzende von Klöstern
verborgen.
Viele von ihnen verfügten über eigene theologische Schulen,
oft bestehen sie noch heute und bewahren historische Schätze und
Kulturgüter. Die Tempel sind immer rund gebaut, denn
in den Ecken lauert der Teufel. Ausgeschmückt sind sie mit zauberhaften
Malereien in sehr lebendigen Farben. Von Papyruspflanzen bedeckte Ufer
sind ein idealer Ort für Vögeln. Deshalb kommen viele Touristen wegen
der Vögel hierher.
Jahrhunderte lang haben sich die Menschen nach den
Ursachen der jährlichen Überschwemmung des Nils gefragt. Es ist noch
nicht so lange her, dass man sie damit erklärte, dass die während
der Regenzeit in den Gebirgen Äthiopiens fallende Wassermenge dafür
verantwortlich ist. Während der Fahrt auf dem See Tana gelangt man auch
zum Ursprung des Flusses. Bis heute fahren auf ihm die traditionellen
Papyrusboote – wie vor tausend Jahren.
Um das Ausmaß des Blauen Nils spüren zu können, muss man den Fluss 30km
der Mündung entgegen befahren. Besonders
am Ende der Regenzeit hört man schon von weitem das Donnern
und Tosen des auf den Felsen aufprallenden Wasserfalls. Es sind
die legendären Wasserfälle von Tis Isat. In der Trockenzeit versiegen
sie, weil die Wassermenge an das in der Nähe liegende Wasserwerk
abgeleitet wird. In Bahir Dar lohnt es sich,
den Basar zu besuchen und den Handwerkern zuzuschauen, wie sie aus alten
Autoreifen Latschen herstellen. |